Saftiges Gras, fette Kühe
Für die Palästinenser bedeutet der 60. Geburtstag des Staates Israel die Nakba, die Katastrophe. 750 000 Palästinenser wurden damals entwurzelt. Sie leben heute als Vertriebene in Israel oder als Flüchtlinge in Lagern in den besetzten Gebieten und den umliegenden arabischen Staaten. Dieser Alltag ist meistens trostlos, deshalb flüchten sich viele in die Traumwelt eines Palästinas, das so heute nicht mehr existiert.
Von Karin Wenger
Flüchtlingslager Balata, Ende April. Wieder kleben neue Märtyrer-Poster an den Hausmauern des grössten Flüchtlingslagers im Westjordanland. Mehr als 22 000 Menschen leben auf einem Quadratkilometer Land. Die Häuser stehen schulterbreit, und die Bewohner, Flüchtlinge von 1948 und 1967 sowie ihre Nachkommen, haben kaum Luft zum Atmen, kein Raum für Privates. Man kennt sich, weiss um die Arbeitslosigkeit des andern und teilt die Angst in den Nächten, wenn die Armee kommt. Letzte Woche hat es Hani Kabi, 24 Jahre alt, Mitglied der Aksa-Brigaden, erwischt. Die israelische Armee hat ihn im Lager erschossen. Und dieser Junge, der mit einem Maschinengewehr im Anschlag von einem Plakat ins Lager zielt? Es ist Yussef al-Asi, 21 Jahre alt, Mitglied der Kassam-Brigaden. Die Armee hat ihn vor zwei Wochen erschossen. Sein Vater, sein Onkel und seine Schwester wurden in den letzten Jahren der Intifada getötet.
Vor dem Plakat steht Tawfik Abdel Salam Mosead. Er ist 21 Jahre alt, hochgeschossen und schlaksig. Tawfik gehört zur dritten Flüchtlingsgeneration. Das Dorf, aus dem seine Grosseltern 1948 vertrieben wurden, liegt irgendwo im Norden des heutigen Israel. Tawfik kennt es aus Erzählungen: «Die Leute hier im Lager sagen: Eines Tages werden wir zurückkehren.» Ob sie wirklich daran glauben? Wer weiss, aber alle erzählen: Dort drüben sei das Gras saftig, und die Kühe seien fett. Wenn der Alltag nichts zu bieten hat, wird die Erinnerung an bessere Zeiten gehegt und gepflegt wie ein kränkliches Kind. Hier in Balata gibt es drei Kühe . Die Haut spannt über ihren Knochen. Und wenn es einmal Bäume gegeben haben sollte, dann wurden sie in den letzten Jahren von den Betonhäusern verdrängt.
Die Vertreibung eines 13-Jährigen
«Wir hatten viele Orangenbäume, dazu Land und Tiere. Unsere Nachbarn waren jüdisch und manchmal hüteten sie uns Kinder, und manchmal hütete meine Mutter die jüdischen Kinder. Uns war egal, wer jüdisch oder muslimisch war», erinnert sich Ahmed Khamis Iswid. Er lebt im oberen Teil von Balata in einem grossen Haus. Seit den frühen 1950er-Jahren, als das Uno-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) in den verschiedenen Flüchtlingslagern die Zelte durch Häuser ersetzte, half er als Bauarbeiter und später als Bauherr mit. Das hat ihm zu einem gewissen Wohlstand verholfen. Damals, 1948, als seine Familie aus ihrem Dorf in der Nähe von Jaffa vertrieben wurde, war er dreizehn Jahre alt. Doch die Erinnerung ist so lebendig geblieben, dass sich der korpulente Körper des alten Mannes aufgeregt hin und her wiegt, wenn er von damals erzählt.
«Zwischen unserem Dorf und dem jüdischen Nachbardorf lag eine britische Militärbasis. Eines Tages kamen die Briten zu uns und sagten, sie würden abziehen und wir könnten das Land ihrer Militärbasis haben. Dasselbe aber sagten sie auch unseren jüdischen Nachbarn. Und als wir das Land in Besitz nehmen wollten, waren die Juden auch schon dort. Eine Schiesserei brach aus, und ich rannte davon. Die jüdische Kampftruppe Haganah nahm die Basis ein, und später kam die Armee in unser Dorf und verkündetet über Mikrofon, dass wir das Dorf in vierundzwanzig Stunden verlassen sollten, sonst würden sie uns töten.» Das war noch vor dem 15. Mai 1948, dem Ausbruch des ersten arabisch-israelischen Krieges.
Von langer Hand geplant
Der Krieg sei die Folge der arabischen Nichtanerkennung des Uno-Teilungsplans vom November 1947 gewesen, heisst es noch heute in Israel. Nach diesem Plan sollte der jüdische Staat auf 56 Prozent des Landes Palästina entstehen, hätte jedoch einen gleichen Prozentsatz von jüdischen und arabischen Bewohnern gehabt – eine demografische Verteilung, die den zionistischen Führern nicht behagte. Die Vertreibung von Palästinensern wurde deshalb systematisch geplant und begann bereits vor Ausbruch des Krieges, wie Ilan Pappe, bis 2007 Professor für Soziologie und Politikwissenschaften an der Universität Haifa, in seinem Buch «Ethnic Cleansing of Palestine» überzeugend belegt hat.
So schrieb der zionistische Führer David Ben Gurion, der spätere erste israelische Ministerpräsident, 1937 in einem Brief an seinen Sohn: «Die Araber werden gehen müssen, aber man benötigt einen passenden Moment, wie zum Beispiel einen Krieg, um dies geschehen zu lassen.» Als Vorbereitung dafür leitete Ben Gurion von 1940 bis 1947 das sogenannte Dorf-Akte-Projekt, bei dem systematisch Karten und Informationen über jedes arabische Dorf zusammengetragen wurden.
Die militärischen Führer kamen dabei zum Schluss, dass die Palästinenser zwar die Mehrheit im Lande stellten und damit eine demografische, jedoch keine militärische Bedrohung darstellten. Im Rahmen des «Dalet»-Plans erliessen die zionistischen Führer am 10. März 1948 Militärbefehle an ihre Kommandeure mit detaillierten Anweisungen zur zwangsweisen Vertreibung der Palästinenser. Nach Angaben des palästinensischen Zentrums für Wohn- und Flüchtlingsrechte wurde bereits vor Ausbruch des Krieges die Hälfte aller palästinensischen Einwohner aus ihren Häusern vertrieben – oder sie flohen, nachdem sie von Massakern in anderen Dörfern gehört hatten.
«Am 15. Mai 1948, einen Tag nach dem offiziellen Ende des britischen Mandates und an dem Tag, an dem der Staat Israel proklamiert wurde, schickten die benachbarten Staaten eine kleine Armee. Sie sollte versuchen, die ethnische Säuberung, die schon seit über einem Monat in vollem Gang war, aufzuhalten», schreibt Pappe. Dieser Einmarsch und die Zusammenstösse mit der lokalen palästinensischen Miliz lieferten laut Pappe den perfekten Vorwand für die Israelis, um die ideologische Vision eines ethnisch gesäuberten Palästina in die Realität umzusetzen.
Die Durchführung des «Dalet»-Plans dauerte sechs Monate: 750 000 Palästinenser wurden entwurzelt, 531 Dörfer zerstört und 11 städtische Bereiche von ihren Bewohnern «befreit». Von den 150 000 Palästinensern, die in Israel blieben und später israelische Pässe erhielten, wurden 25 Prozent aus ihren Häusern vertrieben. In Israel gelten heute 250 000 bis 280 000 Palästinenser als intern Vertriebene. Im Gazastreifen lebt eine Million Flüchtlinge; dies entspricht zwei Dritteln der Bevölkerung.
Im Westjordanland sind 750 000 der 2,5 Millionen Palästinenser Flüchtlinge. Zirka 3 Millionen Flüchtlinge leben in den umliegenden arabischen Staaten. Die arabischen Regimes benutzen sie, wann immer es die politische Agenda erfordert. Man spricht gerne von den arabischen Brüdern, aber integrieren will die Palästinenser doch keiner. Sie leben in Lagern und werden als Zweitklassbürger behandelt. In Libanon beispielsweise ist ihnen die Ausübung von über siebzig Berufen verboten. Als billige Arbeitskräfte aber sind sie gut genug.
Dörfer als militärische Sperrzonen
Nachdem die Armee ins Dorf gekommen war, packten Ahmed Khamis Iswid und seine Familie ihr Hab und Gut auf das Fahrrad und den Esel, den sie besassen. Sie flohen zuerst in die Stadt Lod, östlich von Tel Aviv, und dann in die Berge, wo ihnen die Soldaten an Checkpoints sagten, sie sollten zu King Abdallah nach Jordanien.
Nach mehreren Monaten in verschiedenen Dörfern, Städten und Lagern liess sich die Familie Iswid Anfang der 1950er-Jahre im Flüchtlingslager Balata nieder. Später besuchte Ahmed sein Dorf noch einige Male. Zurückkehren durfte er nicht, und bald waren nur noch Hausruinen übrig.
Nach der Vertreibung der Palästinenser aus ihren Dörfern und Stadtteilen erklärte die israelische Regierung das Land von 1948 bis 1966 zur militärischen Sperrzone und damit als unzugänglich für die Palästinenser. 60 Prozent des arabischen Landes wurden bis Mitte der 1960er-Jahre konfisziert. Als Grundlage dafür diente das Gesetz der abwesenden Eigentümer. Nach diesem Gesetz geht Land, das nicht vom Eigentümer bewohnt oder bewirtschaftet wird, in den Besitz des Staates über. Als Teil der Vertuschungsstrategie der israelischen Regierung wurden grosse Teile des Landes der zerstörten Dörfer vom Jüdischen Nationalfonds (JNF) mit Wald bepflanzt.
Kinder zeugen als Widerstandsakt
Er werde eines Tages in sein Dorf zurückkehren, ist Ahmed Khamis Iswid überzeugt. So stehe es in der Uno-Resolution 194. Dort ist jedoch nicht nur das Recht auf Rückkehr verbrieft, sondern auch ein Recht derjenigen, die nicht zurückkehren wollen, auf Kompensationszahlungen für den Verlust des Eigentums. Davon will Iswid jedoch nichts wissen. Denn es stehe nicht in seiner Macht, das Recht seiner Kinder auf die Heimat aufzugeben. So leiste er Widerstand, indem er Kinder zeuge, viele Kinder.
Iswid hat acht Töchter und acht Söhne von zwei verschiedenen Frauen. Seine Kinder haben wiederum viele Kinder; die Zahl der Enkel ist bereits so zahlreich, dass er sie nicht mehr zu überblicken vermag. Ausharren ist denn auch Iswids Devise, denn vor der demografischen Bombe, das weiss er, fürchten sich die Israelis am meisten.
Im Gazastreifen ist bereits heute die Hälfte der Bevölkerung jünger als 16 Jahre. In Israel leben heute 1,2 Millionen Palästinenser mit israelischem Pass, das sind 20 Prozent von Israels Bevölkerung. Bisher haben das explosive Bevölkerungswachstum und die anhaltende Besetzung jedoch zu noch mehr Misere unter den Palästinensern geführt. In Israel leiden die Palästinenser unter Diskriminierung, und das Leben in den Flüchtlingslagern ist so hoffnungslos, dass fast jeder ausreisen würde – wenn er denn nur könnte.
Der 21-jährige Tawfik Abdel Salam Mosead träumt nicht vom Dorf, aus dem seine Grosseltern vertrieben wurden. Er träumt von Kanada. «Dort gibts Geld und Freiheit. Hier in den besetzten Gebieten bekommt einer nur Arbeit, wenn er Beziehungen hat, und ich habe keine Beziehungen», sagt er. Arbeitslosigkeit ist im Flüchtlingslager die Regel – und Freiheit ist ein Fremdwort. Das Lager wird von palästinensischen Milizen kontrolliert, und regelmässig marschiert die israelische Armee ein, verhaftet Männer und Frauen oder tötet sie. Junge Männer wie Tawfik können mit einer Identitätskarte aus Balata kaum aus dem Lager ausreisen. An den Checkpoints werden sie zurückgeschickt, weil sie als Sicherheitsrisiko eingestuft werden.
Überall ist es besser als hier
Tatsächlich kamen viele Selbstmordattentäter aus Balata. Auch Tawfik hat einen 14-jährigen Cousin, der sich in die Luft sprengen wollte. Ein Mitglied der Aksa-Brigaden hatte ihm den Himmel versprochen, einen Ort, wo Milch und Honig fliesst, er stattete ihn mit einem Sprengstoffgürtel aus, schickte ihn los – um ihn dann bei der israelischen Armee gegen eine Belohnung zu verraten. Die israelischen Soldaten haben den 14-Jährigen abgefangen und getötet.
Drei Jahre später wurde der Verräter von Milizen getötet. Geld gegen Verrat ist eine Krankheit, die sich wie eine Seuche in den letzten Jahren in den besetzten Gebieten ausgebreitet hat. «Immer muss man vorsichtig sein», sagt Tawfik. «Überall will dich der israelische Geheimdienst als Kollaborateur rekrutieren oder dann suchen sie nach einem Grund, dich zu verhaften. Selbst im Internet, im Chat.»
Sechs von Tawfiks Freunden sind so im Gefängnis gelandet. Jemand hatte ihnen im Chat Geld für den Widerstand versprochen, sie müssten nur ihre Identitätskarten und Banknummern angeben. Die israelische Armee holte sie noch in derselben Nacht ab. Einige sitzen noch heute im Gefängnis. Deshalb wolle er nur noch weg, sagt Tawfik. «Das Leben hier ist ohne Zukunft, es ist ein einziger Überlebenskampf.»
Interview mit dem palästinensischen Arzt Mustafa Abdel Shafi
«Ich war für den Teilungsplan»
Als Anfang 1948 die ersten Palästinenser in den Gazastreifen flohen, war der damals 27-jährige Mustafa Abdel Shafi verantwortlich für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge im Süden des Gazastreifens. Der heute 87-Jährige wurde in Gaza geboren, studierte Medizin an der Amerikanischen Universität in Beirut und eröffnete danach eine Praxis in Majdal, dem heutigen Ashkelon, einer israelischen Stadt nördlich des Gazastreifens.
Von 1951 bis 1956 wurde Abdel Shafi in den USA zum Chirurgen ausgebildet und arbeitete danach im Gazastreifen, in Kuwait und bis 1993 im Mukased-Spital in Jerusalem. Seit seiner Pensionierung lebt Abdel Shafi wieder in seiner Geburtsstadt Gaza. Er ist der Bruder des kürzlich verstorbenen, hoch angesehenen Haider Abdel Shafi, der die palästinensische Delegation bei der Konferenz in Madrid geleitet hatte.
Wie war die politische Stimmung Ende 1947 in Palästina?
Die Lage zwischen Juden und Arabern war bereits angespannt. Alle Juden, die in Gaza lebten, verliessen die Stadt, weil sie sich sicherer fühlten in einer jüdischen Gemeinde. Und wir fürchteten uns vor den Zionisten, die ins Land kamen. Wir fühlten, dass sie nicht hierher kamen, um mit uns zu leben, sondern um uns zu verdrängen.
Wie wirkten sich diese Spannungen auf Ihr Leben aus?
Ich hatte eben mein Studium abgeschlossen und eine Praxis in Majdal eröffnet. Oft gab es Schiessereien auf der Strasse. Auch die jüdische Kampftruppe Haganah war sehr aktiv. Deshalb zog ich von Gaza nach Majdal, um nicht jeden Tag den gefährlichen Weg zurücklegen zu müssen.
Im November 1947 verabschiedete die Uno den Teilungsplan. Wie wurde dieser Plan von den Arabern aufgenommen?
Unsere Führer lehnten den Plan sofort ab. Ich hingegen war für den Plan – mein Bruder Haider wurde unglaublich wütend, als er das hörte. Ich aber sagte: Ja, ich weiss, der Plan ist unfair. Die Juden sollen 56 Prozent von unserem Land erhalten, obwohl sie nicht einmal einen Viertel der Bevölkerung ausmachen. Aber die Frage lautete damals: Können wir die Umsetzung des Planes verhindern? Natürlich waren wir dazu nicht in der Lage. Damals wurden die Juden politisch und militärisch von den Briten und den Amerikanern unterstützt. Es wäre also besser gewesen, den Uno-Plan anzunehmen und unseren eigenen Staat aufzubauen.
Die Stimmung in Palästina war jedoch anders. Wie reagierten Sie darauf?
Ich zog es vor zu schweigen und ging für ein paar Wochen in einen Freiwilligeneinsatz nach Ägypten, wo eine Cholera-Epidemie herrschte. Vor der israelischen Staatsgründung kehrte ich nach Gaza zurück. Damals waren bereits Tausende von Palästinensern in den Gazastreifen geflohen. Der Direktor der medizinischen Dienste in Gaza bat mich, die Praxis in Majdal aufzugeben und die medizinische Versorgung der Flüchtlinge im Süden des Gazastreifens zu übernehmen. Es gab noch keine Hilfe von der Uno, und ich arbeitete Tag und Nacht. Später kam die Religionsgemeinschaft der Quäker und half uns, das war eine riesige Entlastung.
Was erzählten Ihnen die Flüchtlinge?
Sie berichteten von jüdischen Angriffen. Alle hatten Angst, aber alle dachten, dass sie bald in ihre Häuser zurückkehren könnten. Manchmal kam mitten in der Nacht ein Auto und jemand rief: Es gibt Kämpfe in dem und dem Ort, wir brauchen Männer, die helfen! Wer eine Waffe hatte, holte sie und stieg ins Auto. Manche kamen zurück, andere nicht.
Was machten Sie nach der israelischen Staatsgründung 1948?
Die Uno kam und übernahm die Versorgung der Flüchtlinge. Ich ging nach Amerika, um mich weiterzubilden. Als ich zurückkam, hatten die Ägypter die Verwaltung des Gazastreifens übernommen.
1967 besetzte Israel den Gazastreifen. Heute ist das Gebiet komplett von der Aussenwelt abgeschnitten und Fatah und Hamas sind zerstritten . . .
. . . das ist eine grosse Schande. Wir müssen endlich damit beginnen, zuerst an unsere Heimat und erst dann an unsere privaten Interessen zu denken. Wir müssen lernen, zu planen und zusammenzustehen. Das versäumten wir 1947, und heute ist das nicht anders. Auch die Rolle der internationalen Gemeinschaft ist eine ähnliche: Damals wie heute unterstützt sie den israelischen Staat. Eine Lösung hier bedingt deshalb nicht nur eine arabische Einigung, sondern auch, dass die internationale Gemeinschaft ihre moralische Verpflichtung uns gegenüber wahrnimmt.
Was soll mit den palästinensischen Flüchtlingen passieren?
Sie müssen, wie das die Uno-Resolution 194 vorsieht, das Recht auf Rückkehr oder auf Kompensation erhalten. Sie müssen die Wahl haben. Ich bin allerdings überzeugt, dass viele nicht zurückkehren würden, aber das hängt auch von den arabischen Staaten ab, in denen sie jetzt leben. Bis jetzt haben die nichts zur Integration beigetragen. In Libanon beispielsweise dürfte ich nicht als Arzt arbeiten. Man gibt uns permanent zu verstehen: Geht weg, geht zurück, ihr gehört nicht zu uns. Es sind also nicht nur die Israelis, sondern auch die Araber, die zu unserem Leid beitragen.
Was sollen die Palästinenser tun?
Sie dürfen ihre Heimat nicht vergessen, und müssen das Feuer von Generation zu Generation weitergeben. Und sie müssen endlich aufwachen, zusammenstehen und die Zukunft gemeinsam gestalten.
Erstpublikation: 10. Mai 2008, Der Bund, Samstagsbeilage "Der kleine Bund". Diese Arbeit der freien Journalistin und Autorin Karin Wenger wurde für den Preis für unabhängigen Journalismus 2008 nominiert.